Ein paar Einblicke in das Familiensystem: Der Mann und die Frau lassen den Wecker um 5 Uhr klingeln und motivieren sich dann gegenseitig mit dem Spruch: „ein bisschen Snoozen“ zum Aufstehen. Lange war das anders und die Frau genervt vom mehrmaligen Klingeln, weil ihre gemeinsamen Babys und Kleinkinder, die im selben Bett schliefen, wach wurden. Sie putzte damals schon gerne ihre Zähne, ohne gleichzeitig zu stillen.

Snoozen ist also entspannt, auch vor 6 Uhr morgens. Zähneputzen ohne Baby wird ersetzt durch Schnelltest ohne Kinder, die machen das ja kostenfrei in der Schule und Mann und Frau genießen das eheliche Spa-Programm in Kombination mit Orga. Gespräche, wie der Alltag und speziell der gleiche Morgen angeglichen werden müssen an den Plan von gestern Abend, stehen ganz oben. Dann wird es philosophisch zwischen Waschbecken und Wimperntusche.

Die Frau: „Ich fahre heute Mittag nach weitweitweg, zur Beerdigung von xxx, direkt nach der Arbeit. Den Rest der Mails erledige ich im Zug. Wie läuft der Nachmittag bei euch ab?“

Der Mann: „Morgen holen meine Eltern die Kinder von der Schule und dem Kindergarten ab.“

Die Frau: „Und heute?“

Der Mann: „Ich habe heute eine Veranstaltung und komme spät.“

Die Frau: „Ich bin erst morgen Abend wieder zu Hause, und nun?“

Der Mann: Ich wusste ja nicht, wann du fährst – dann frage ich nochmal meine Eltern, sonst bin ich so unter Zeitdruck.“

Die Frau: „Ach, so einen Job möchte ich haben.“

Der Mann: „Ja, ich habe schon viele Freiheiten bei meinem Arbeitgeber.“

Die Frau: „Ich auch, aber das meine ich nicht.“

Der Mann: „Aber ich bin doch auch erreichbar.“

Und ja, er hat recht! Er bemüht sich, er hängt vor 7 Uhr die Wäsche auf und kocht der Frau den perfekten Kaffee. Er schmiert Schulbrote und packt Brotdosen, die auf dem Schulhof der Teenagerkinder als legendär bezeichnet werden – und er muss es auch nicht auf Instagram posten. Die Anerkennung seiner Familie ist sein privates Glück.

Und ja, sie hat recht! Sie bemüht sich, sie schreibt spät nachts noch berufliche Mails mit Vordatierung auf den nächsten Tag, bestellt Geschenke und Blumensträuße und speichert per Voicerecorder alle Aufgaben unter der Rubrik „Wichtig für Morgen!“ Die Regel, dass die Handys alle um 22 Uhr an der Sammelstation, weit weg vom jeweiligen Bett, aufgeladen werden, gilt dabei für sie schon lange nicht mehr. Die berufliche und private Situation im Voicerecorder lautet zusammengefasst so: „Schwimmzeug packen für Kind 1, Verabredung übermorgen nochmal fragen, ob ich nach 18 Uhr zum Abholen kommen kann, Milch kaufen!!!, X anrufen, Y muss Förderantrag checken, Handwerker kommt um 10 Uhr, Personalabteilung kontaktieren.

Die Frau hat mehr Text als der Mann. Jetzt kommen wir wieder zum Rucksack und den Hürden! Die Idee dieses Blocks ist, wegzukommen von Stereotypen. Trotzdem bin ich dabei gelandet: Die Frau und Mutter, die ständige Überforderung kommunizieren will, oder muss, oder möchte, oder darf?

Liegt daran, dass der Text von einer Frau geschrieben wurde – der Text spiegelt einen Teil ihrer Alltagswahrnehmung wider.

Im nächsten Teil soll ein Mann zu Wort kommen. Über eine Darstellung von Familienleben von Männern bis zum 31.06.2022 freuen wir uns sehr!

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